Der Schiefe Turm von Pisa - ital. Torre Pendente - ist das wohl bekannteste schiefe Gebäude der Welt und Wahrzeichen der Stadt Pisa in Italien.
Grundsteinlegung und Bau - Der Turm war als freistehender Glockenturm - Campanile - für den Dom in Pisa geplant. Die Grundsteinlegung erfolgte am 9. August 1173.
Ganze zwölf Jahre vergingen, in denen die Arbeiten bis zur dritten Etage durchgeführt wurden. Dann begann der Turmstumpf, wegen eines Grundeinbruches in Richtung Südosten abzukippen. Andere Quellen besagen, dass bereits 5 Jahre nach Baubeginn die Arbeiten aus unbekannten Gründen unterbrochen wurden, als bereits das 4. Stockwerk erreicht wurde. Ersteres wird allerdings häufiger in verschiedenen Quellen erwähnt. Fakt ist jedoch, dass der Bau für rund hundert Jahre unterbrochen und erst 1272 fortgesetzt wurde.
Die folgenden vier Stockwerke wurden schräg gebaut – in die entgegengesetzte Richtung, um die Schieflage ein wenig auszugleichen und den Schwerpunkt zu verlagern. Im Jahre 1278 erreicht man das siebte Geschoss. Aber kurz darauf wurde der Bau für weitere rund 80 Jahre unterbrochen, da der Boden weiter einbrach und der halbfertige Turm weiter kippte.
Im Jahre 1360 wurde mit dem Aufsetzen der Glockenkammer begonnen, was etliche Jahre in Anspruch nahm und wohl auch um einige Jahre unterbrochen wurde. Während der Fertigstellung der Kammer und des Turms 1372 führte man eine starke Korrektur der Neigung durch, wodurch auf der Nordseite 4 und auf der Südseite 6 Stufen entstanden.
Bodenzusammensetzung des Untergrunds - Der Grundeinbruch ist auf die Zusammensetzung des Bodens zurückzuführen; aus lehmigen Morast und Sand bestehend, verformte sich der Untergrund unter der steigenden Last und der im Verhältnis geringen Grundfläche des Turms. Neusten Ausgrabungen zur Folge steht er am Rand einer ehemaligen Insel direkt neben einem antiken, zur Bauzeit bereits versandeten Hafenbecken.
Beschädigungen - Der Erhaltungszustand der Oberflächen ist durch die Turmneigung stark beeinflusst. Verwitterungserscheinungen verbunden mit dem natürlichen Alterungsprozess der Materialien und den vergangenen Restaurierungsversuchen, verschärfen die Situation.
Bereits kurze Zeit nach Vollendung des Baus zeigen sich die ersten Schäden. Am Ende des 14. Jahrhunderts müssen vier Säulen ersetzt werden. In den folgenden Jahren werden diverse Steinelemente ausgetauscht. Verbindungsanker, Spanneisen und Ringe werden zur Festigung der Säulenteile eingesetzt.
So werden nach und nach die hauptsächlich aus San Giuliano-Marmor bestehenden Originalteilstücke der Säulen mit Teilstücken aus weißem Carrara-Marmor ersetzt. Heute sind von den 180 Säulen der Säulengänge nur noch 33 aus dem Marmor von San Giuliano, die sich hauptsächlich auf der Nord-Ostseite befinden. Auch die Kapitelle wurden fast alle durch Carrara-Marmor nachempfunden.
Studien und Untersuchungen haben ergeben, dass die verschiedenen Umwelteinflüsse, wie zum Beispiel Niederschlagswasser aus Regen, Nebel, Hagel und Schnee eine erhebliche Wirkung auf das Mauerwerk des Turms haben. Die Folgen sind Erosion, zerbröckelte Steine und die Bildung von Gips- und Kalkkrusten. Dort wo Luftschmutzpartikel an den Krusten hängen bleiben, färben diese sich schwarz. Das passiert hauptsächlich an der Seite, in die der Turm sich neigt. Hier werden die Partikel nicht so leicht durch Regenwasser weggewaschen. In Bereichen der Fassade, die dem Kontakt mit Wasser besonders ausgesetzt sind, haben sich Mikroorganismen, Moos, Flechten und Unkraut entwickelt.
Die verstärkte Sonnenbestrahlung der Säulen und Kapitelle verursacht weitere Beschädigungen, wie Risse und Ablösungen von Fragmenten.
Langjährige Untersuchungen haben ergeben, dass die Beschädigung der inneren und äußeren Fassade eine Fläche von mehr als 7000 qm umfasst. Schwarze Krusten bedecken dabei eine Fläche von insgesamt 1968 qm und zeigen sich hauptsächlich auf den unteren Bodengängen an der Südseite des Turms. 2068 qm Oberfläche der oberen Bereiche von Nord- und Südseite sind vom Zerfall der Steine betroffen. Risse bilden sich besonders auf Höhe des dritten Stockwerkes über eine Fläche von 8658 qm.
Ober- und Innenflächen Sanierung - Im Jahre 2000 wurden mit Beiträgen der EU auf einem großen Stück der südöstlichen Seite im ersten und zweiten Stockwerk Arbeiten durchgeführt. Die dabei gemachten Erfahrungen flossen direkt in die geplanten und auf der Basis von Untersuchungsergebnissen beschlossenen Restaurierungsmethoden ein. Dazu gehörten 11 Reinigungssysteme, 18 Sorten Mörtel, 5 Arten der Steinfestigung und eine spezielle Behandlungen der Metalle sowie die Entfernung von Kaugummis und Wandkritzeleien.
Die Arbeiten wurden schrittweise von erfahrenen und spezialisierten Restauratoren durchgeführt und so den verschiedenen Oberflächen und deren Beschädigungen angepasst. Es erfolgte die Reinigung der Fassaden mit atomisiertem Wasser, Lösungsmittelkompressen, mikromechanischen Instrumenten und Lasern. Die Steine wurden durch lokale Imprägnierung oder Eintauchen gefestigt – Risse und Brüche wurden neu versiegelt, Verbindungsstellen zwischen den Steinblöcken je nach Steintyp und Lage wiederhergestellt.
Zuerst wurden die Glockenkammer und das erste Stockwerk restauriert – diese konnten mit Standartgerüsten erreicht werden. Im Inneren der Säulengalerie, auf der Treppe und im Inneren des Turmes wurden die Arbeiten fortgesetzt.
Um die Außenoberlächen der Säulengalerie restaurieren zu können, werden kreisförmige, leichte Gerüste aus einer Aluminiumlegierung benötigt. Im Jahre 2009 sollen die Arbeiten endgültig beendet sein.
Begradigung - Aber nicht nur die Fassaden und Steine mussten saniert werden. Die Schieflage des Turmes hatte im Jahre 1990 gravierende Ausmaße angenommen und wurde für Besucher zu gefährlich - die Neigung betrug 4.54 m (5,3 Grad) nach Südosten – Höhe Nordseite 56,6 m – Höhe Südseite 54,25 m. Vom 7. Januar 1990 an musste der 14.500 Tonnen schwere Turm für Besucher gesperrt werden. Nach 12-jährigen Sanierungsmaßnahmen, bei denen der Turm wieder um 44 Zentimeter aufgerichtet wurde, ist er seit Dezember 2001 wieder für Touristen geöffnet.
Bereits in den 30er Jahren hatte man Beton ins Erdreich gespritzt, um die Fundamente zu stabilisieren – was aber wenig Erfolg zeigte. 1991 – nach der Sperrung des Turmes wurde mit der spektakulären Aufrichtung des Turmes begonnen. Dazu wurde unter den Fundamenten der Nordseite Boden abgetragen und gleichzeitig Wasser abgesaugt. Flüssiger Stickstoff wurde zur Stabilisierung dem Boden hinzugefügt, während der Turm mit Stahlkabeln gestützt wurde. Innerhalb von 10 Jahren gelang es, den Neigungswinkel um fast 44 cm zu verringern.
Allgemeines und Geschichtliches - Eine Legende besagt, dass der Turm bei seiner Errichtung noch kerzengerade war. Als der Bauherr jedoch nicht von den Stadtvätern bezahlt wurde, verließ er vor Wut die Stadt und befahl seinem Turm zu folgen. Dieser neigte sich daraufhin beträchtlich und der Bauherr wurde darauf hin sofort bezahlt. Der Baumeister ging trotzdem, der Turm blieb und wurde im Jahre 1987 zusammen mit dem Baptisterium, dem Dom und dem Camposanto von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
Eine weitere Legende besagt, dass Galileo Galilei bei Versuchen auf dem Turm die Fallgesetze entdeckte.
Der Campanile hat einen Durmesser von 12 m und ist rund 54 m hoch. Er besteht aus 14.200 Tonnen weißem Carrara-Marmor und hat sieben Glocken, die über längere Zeit nicht läuten durften – aufgrund der erhöhten Einsturzgefahr. Der Turm sollte damals der Höhepunkt der Piazza dei Miracoli sein.
Er unterscheidet sich erheblich zu den üblichen quadratischen Türmen Mittelitaliens und den spitz zulaufenden Türmen Nordeuropas. Er ruht auf einem spiralförmigen Fundament aus 700 m³ Bruchstein und Mörtel. In 100 Meter Höhe wollte sein Erbauer Bonanno die Glocken läuten lassen. Der Mauerring um diesen Bereich herum ist 3,57 Meter dick. Neben dem Eingang sind Monat und Jahr des Baubeginns eingemeißelt - August 1173 - in Urkunden wird jedoch stets das Jahr 1174 genannt, denn für die Pisaner begann nach damaligem Kalender das neue Jahr bereits am 25. März.
Der Campanile hatte - außer dass er die Glocken tragen sollte - noch eine andere Funktion: Bei Gefahr flüchtete damals der Klerus in den Turm. Öffnungen und Vorsprünge im Mauerwerk des Zylinderschachtes machten es möglich, bei Bedarf in jedem Stockwerk Gebälk und Fußböden einzuziehen.
Jedes Stockwerk hat eine Tür hinaus auf die Säulengalerie, die jeweils aus 30 Säulen besteht. Auf der Südseite führen oben sechs Stufen zur Glockenstube hinauf, auf der Nordseite nur vier. Die Treppe zur obersten Aussichtsterrasse soll Brunelleschi inspiriert haben, einen ähnlichen Aufgang zur Laterne auf der Kuppel des Doms in Florenz zu bauen.
Besichtungen - Der Turm ist in jedem Fall ein Besuch wert. Wer allerdings hinauf möchte sollte sich früh anmelden. Eine Reservierung unter www.opapisa.it ist empfehlenswert.
Zur Zeit (2008) werden Gruppen von maximal 40 Besuchern im Abstand von 20 Minuten, zu einem Preis von 15 € pro Person, eingelassen. Die Öffnungszeiten sind kompliziert und können sich von Jahr zu Jahr/Monat zu Monat ändern.
Der Text steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
(Quelle: Wikipedia)