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Tag 05: Von Crabbia nach Deiva Marina

Unterwegs in Ligurien - ItalienMittwoch, 05.09.2009
Früh morgens packten wir unsere Sachen und fuhren los in Richtung Ligurische Küste. Da wir keine Lust auf die Autobahnmaut hatten und keine Viniette besaßen, hatten wir uns entschlossen über Landstraße zu fahren. Auf der Karte sah der Weg ja nicht sooo weit aus, man könnte es an einem Tag schaffen.

In der Tat ist die Entfernung bis zur Küste per Luftlinie nicht weit. Wir hatten allerdings nicht bedacht, dass es in Italien im Hinterland kaum gerade Straßen gibt und diese sich an die umliegenden Hügel der Landschaft schmiegen. Es ging also nie (!) gerade aus, sondern nur rechts - links - rauf - runter - rechts - links... An dieser Stelle möchte ich ein großes Lob an den alten roten Audi der Familie Clemenz aussprechen, der tapfer mit uns diese Strecke gefahren ist, ohne aufzugeben auch wenn ihm manchmal heiß um den Motor geworden ist, von all dem bergauf und bergab.

Wir machten uns also auf den Weg...

Von unserem Campingplatz aus fuhren wir nach links auf die 229 in Richtung Gozzano und Borgomanero. In Borgomanero bogen wir in Richtung Arona ab. Die Straße nach Arona ist die 142. Wer den Weg auf einer Landkarte nachverfolgt, wird sich jetzt wundern, warum wir so umständlich gefahren sind... tja... manche Wege sind unergründlich.Fahrt nach Ligurien Ich schätze wir wollten einfach vermeiden, später direkt mit der 229 nach Novarra hineinzufahren... so genau weiß ich es heute leider jedoch nicht mehr.

Arona liegt am unteren Zipfel des Lago Maggiore und so bekamen wir ein letztes Mal an diesem Tag, einen der wunderschönen Seen Piemonts zu sehen. In Arona ging es weiter auf die 33 in Richtung Castelletto - hinter Castelletto über die A26 hinweg auf die 32 in Richtung Oléggio und Bellinzano. Irgendwo hier fuhren wir von der 32 ab auf eine Landstraße (176) in Richtung Cámeri. Von Cámeri aus fuhren wir über Galliate in Richtung Trecate weiter. In diesem Ort wechselten wir wieder die Richtung und fuhren auf der 11 in Richtung Magenta weiter. In Magenta bogen wir auf die 526 ab und fuhren nach Abbiategrasso.

Dieser Tag hatte bisher wenig Ereignisreiches mit sich gebracht und so beschlossen wir, einen Abstecher zur Certosa di Pavia zu machen. Dieser berühmte Klosterkomplex aus dem Jahre 1396 sollte 10 km nördlich vor Pavia zu finden sein und wirklich einen Stop wert. Gelesen getan... nur leider war die Certosa nicht besonders leicht zu finden und als wir diesen märchenhaften Bau endlich am Ende einer wunderschönen Allee gefunden hatten, war es bereits fast 16:00 Uhr und so wäre die Öffnungszeit in einer halben Stunde vorbei gewesen. Und nicht nur die Öffnungszeiten machten uns einen Strich durch die Rechnung... die Certosa war eingehüllt in Gerüste und verpackt wie ein Geschenk... Sanierungsmaßnahmen hätten es uns sehr schwer gemacht, einen Blick auf die so wunderbar im Reiseführer beschriebene Fassade zu werfen. Und so setzten wir unseren Weg gefrustet in Richtung Pavia fort.

Die ganze Fahrerei zerrte an meinen Nerven und meine schlechte Laune an denen meines geduldigen Schatzes. Zu dem meldete sich meine Mädchenblase und weit und breit um uns herum nur Reisfelder, kein Busch kein Strauch... kurz: nichts wohinter man sich verstecken konnte. Irgendwann hielten wir einfach an, ich wollte nicht mehr. Die Landschaft wollte nicht, dass ich auf sie pinkelte und mit mir ging das Temperament durch, was mich kurzerhand dazu brachte mit dem rechten Fuß gegen die hintere Felge des Audi's zu treten.

Verflucht, das tat weh! Es knackte richtig in meinem Zeh... ich vermute, dass er zwar nicht gebrochen war, jedoch mit Sicherheit gut geprellt. Mein Zeh wechselte kurzerhand die Farbe und zeigte sich die nächsten 4 Tage in einem schicken violet. Manch einer wird jetzt denken: "Was für eine dumme Aktion!" Ja... recht so... aber wer schon einmal mit dem Temperament eines Widders Bekanntschaft gemacht hat, weiß, dass dieses durchaus selbstzerstörerische Züge annehmen kann und geht lieber in Deckung. So auch mein lieber Jo... Ab hier fuhren wir erstmal schweigend weiter in Richtung Pavia. Kirche auf dem Weg an die KüsteMeinen Pinkelplatz fanden wir, ca. einen Kilometer weiter in einem kleinen Wäldchen, verfolgt von der italiensiche Polizei... diese ließ uns aber dem Himmel sei Dank gewähren... sonst wäre sicher noch ein Unglück wegen des unberechenbaren Widdertemperaments passiert.

Ab Pavia ging es auf die 35 in Richtung Voghera und ab hier wurde es schwierig. Wir fuhren zwar auf sehr gut ausgebauten Straßen, welche jedoch zeitweise sehr schmal wurden, was uns in diversen 90 Grand-Kurven ziemliche Sorgen bereitete. Auch die AUF und AB's wurden immer steiler und so mussten wir die kleinen steilen Hügel im Schneckentempo hinaufkriechen. Auch nicht zu vergessen sind die lebensmüden italienischen Vespa-Fahrer, die Meister im Kurven schneiden sind und mit Karacho direkt auf uns zu zielten. Irgendwo in LigurienAber nicht, dass diese nach einem Fast-Zusammenstoß Besserung gelobten... nein... es wurde gehupt und geschimpft, was wir wohl auf ihrer Seite der Straße zu suchen hätten, nur dass es ja keine andere Seite der Straße gab, sondern nur Abhang.

In Bóbbio machten wir vor einer alten Kirche halt. Der Motor des alten Audi's brauchte eine kleine Inspektion und Abkühlung. Ein Wunder, dass er überhaupt bis hierhin durchgehalten hatte. Jo und ich brauchten auch eine Ruhepause. Mittlerweile waren wir echt entnervt von den vielen Kurven und vor allen Dingen war Jo müde, da er die ganze Strecke gefahren war. Mich wollte er nicht mehr fahren lassen, da er befürchtete, dass ich bei all den Kurven die Nerven verloren hätte. Mit Sicherheit wäre das auch passiert, denn die Vespa-Fahrer mit ihrem nervigen Gehupe machten mich so schon fertig.

Uns kam die Idee eine Nacht im Innenland zu verbringen und einen Campingplatz in der Gegend von Bóbbio zu suchen. Es wäre sicher die bessere Entscheidung gewesen. Aber wir machten uns schon bald wieder auf den Weg. Wir wollten unbedingt heute noch das Mittelmeer sehen.

Es ging weiter durch die hügelige Landschaft, entlang der sich wie eine Schlange windenden Straße bergauf und bergab. Die Landschaft hier ist wirklich romantisch schön. Wir fuhren durch kleine Orte wie Ottone, Montebruno und Torriglia. Nach jedem Hügel hofften wir endlich das Meer zu sehen, aber nichts... das Meer ließ auf sich warten. Es wurde langsam wirklich spät und erst als wir die kleine Stadt Carmogli erreichten, sahen wir das Meer. Es tauchte so plötzlich zwischen den Hügeln auf, so dass wir erst nicht glaubten, nun endlich die Küste erreicht zu haben.

Camogli ist eine sehr schöne ligurische Stadt, die zum Bummeln und Shoppen einlädt. Gerne wäre ich hier durch die Straßen geschlendert, aber wir hatten keine Zeit... Wir brauchten einen Campingplatz und es war bereits nach 19:00 Uhr. Jo hatte zu hause eine Adresse herausgesucht, und genau da wollten wir nun hin....

Wir fuhren im ZickZack durch die Stadt und sahen so einige wunderbare Häuser und Gärten, aber keinen Campingplatz. Und wir fanden auch die herausgesuchte Adresse nicht... Als wir schon wieder aus Camogli hinausfuhren, kamen wir an einer Werkstatt mit Parkplatz vorbei. Kurzerhand hielten wir hier an, um uns einen Überblick zu verschaffen - aber ehrlich gesagt, wußten wir nicht weiter. Wir brauchten Hilfe und so raffte ich all meinen Mut zusammen und lief zu der Werkstatt, wo zwei Italiener standen und sich unterhielten. Der eine schien der Inhaber der Werkstatt zu sein, der andere sein Kunde. Ich fragte als Erstes auf english, ob sie mich verstehen könnten und bekam Kopfschütteln. Offentsichtlich sprachen beide nur italienisch und spanisch, wie ich später mitbekam. Beides half mir aber nicht weiter und so versuchte ich mich auf deutsch, englisch ein paar Brocken italienisch und spanisch verständlich zu machen. Und wieso auch immer, irgendwie verstanden die beiden mich und so schwang sich der eine kurzerhand auf seine Vespa und forderte uns auf, ihm hinterher zu fahren. Er brachte uns zu der gesuchten Adresse. Aber hier war kein Campingplatz, sondern nur ein Hotel. Tja,... so kann man sich irren, kein Wunder, dass wir den Campingplatz nicht gefunden hatten.

So bedankten wir uns von unserem italienischem Vespa-Fahrer mit einem erfürchtigem "mille grazie" und fuhren in diese kleine Gasse, wo wir dann das Hotel (dem angeblichen Campingplatz) zu unserer linken fanden. Aber ein Hotel war nun nicht das, was wir wollten... wir fuhren also weiter... aus Camogli hinaus und die Landstraße hinab. Wenn es schon in Camogli keinen Campingplatz gab, dann konnten wir ebenso gut in Richtung Sestri Levante weiterfahren.

Schon bald führte die Straße immer direkt an der Küste entlang und wir mussten vor dem ersten einspurigen Tunnel und einer roten Ampel halten. Die Orte zwischen Santa Magherita Ligure und La Spezia gehören zu den Cinque Terre. Es sind 5 aneinander gereite wunderschöne uralte Orte, die sich direkt an die Steilhänge der ligurischen Küste schmiegen. Mit dem Auto sind sie nicht erreichbar, sondern nur zu Fuss auf dem alten Wanderweg oder per Bahn. Die Straße führt oft weit unterhalb der Orte entlang und man muss durch diverse einspurige dunkle, durch den Fels gehauene Tunnel fahren. Eine wirklich etwas beängstigende Angelegenheit, da man sich an die vorgeschriebene Mindestgeschwindigkeit von 60 kmh halten muss, um die Strecke in der entsprechenden Zeit zurück zu legen. Sonnenuntergang an der ligurischen KüsteFährt man nicht schnell genug, kann es durchaus vorkommen, dass man das Ende des Tunnels nicht rechtzeitig erreicht und der Gegenverkehr direkt auf einen zu kommt. Ausweichen ist hier nicht, sondern nur rückwärts fahren. Ein Unfall hätte hier nicht vorstellbare Auswirkungen, denn hier gelten keine deutschen Vorschriften für die Sicherheit in Tunnels. Entsprechend gibt es hier keine Sicherheitsaufstiege oder Lüftungsschächte, nur ein paar vereinzelte Feuerlöscher.

Nun... es wurde langsam dunkel... als wir wiedermal vor so einer roten Ampel standen und warteten, Sonnenuntergang an der ligurischen Küstedass wir den Tunnel passieren können, ging gerade die Sonne unter und bereitete uns einen spektakulären Sonnenuntergang. Und trotz der anstrengenden Fahrt und dem Zustand, dass wir immer noch keinen Campingplatz für die Nacht gefunden hatten, breitete sich in uns nun eine gewisse Gelassenheit aus und wir konnten für einen kurzen Moment die wunderbare warme mediterrane Luft genießen.

Aber schon im nächsten Moment ging es weiter mit unserer Suche nach einen geeigneten Campingplatz. Hier eine kurze Anmerkung: Es gibt auf dieser Strecke durchaus Schilder zu Campingplätzen, aber leider keine Campingplätze dazu. Sogar in den dunklen Tunnels gibt es Zufahrten zu Campingplätzen, aber wer will schon neben der Zufahrt zu einem dunklen Tunnel zelten?!

Wir kamen in den Ort Deiva Marina und fanden auch zu guterletzt einen Campingplatz. Es war beinahe 22:00 Uhr und uns war es mittlerweile egal, wo wir unser Zelt aufschlagen sollten. Vor dem Empfangshäuschen des Campingplatzes Framura saßen drei alte Opa's, die zwar kein Englisch oder Deutsch verstanden, aber sofort losliefen, um den Chef zu holen. Dieser grinste uns in echter italienischer Gigolo-Manier an, als ich ihm auf englisch versuchte klarzumachen, dass wir nur einen Zeltplatz für eine Nacht suchten. Er verstand kein Wort englisch, als ich jedoch meine drei gebrochenen Wörter italienisch hervorkramte und ein zerhacktes: "Una tenda, una machina et due personas" hervorbrachte, strahlte er und wir bekamen einen Campingplatz für eine Nacht, eingequetscht zwischen Wohnwagen auf einem Kiesuntergrund und gegenüber von diversen Mülltonnen eines Restaurants, dessen Inhalt des Nachts diversen Tiere als Mitternachtsmahl diente. So zumindest deuteten wir das Scheppern und Klappern der Mülltonnendeckel.

Wir bauten unser Zelt auf und fielen erschöpft in unsere Kissen und Decken.

Wow, was war das für ein Tag?! Und wo würden wir die nächste Nacht schlafen? Alles war offen... ein gewisses Gefühl von ungeahnter Freiheit beschlich uns und so nahm der Tag sein Ende und wir schliefen wir seelig ein...

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