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Tag 04: Monte Mottarone - 360 Grad Rundblick

Blick auf den Monte Rosa - Monte Mottarone - PiemontDienstag, 04.09.2007
In der Nacht hatte es gestürmt und wir hörten im Halbschlaf den Regen auf unser Zelt prasseln. So war es nicht verwunderlich, dass der nächste Morgen trotz des strahlend blauen Himmels unglaublich kühl und windig war.

Fröstelnd hielten wir uns an unseren warmen Kaffeebechern fest und kuschelten uns noch ein bißchen in unsere Decken. Der Gedanke, einen Tag früher in Richtung Küste und Ligurien zu fahren, schien bei dieser Kälte echt verlockend. Unsere Nachbarn hingegen waren schon auf den Beinen und bereiteten ihre Fahrräder für die heutige Tour vor. Erich und seine Frau aus Lörrach wollten heute mit ihren Rädern den Monte Mottarone hinauf fahren. Frierend bastelte ich mich unter den Decken hervor und trottete hinter Erichs Frau (ich weiß ihren Namen leider nicht, wir haben uns nie vorgestellt) in Richtung Duschen hinterher. Sie berichtete mir, dass bei so einem klaren Himmel ein Ausflug auf den Monte Mottarone atemberaubend sein soll. Als wir zurück zu den Zelten kamen, schwärmte Erich gerade gegenüber Jo von dem 360° Blick über sämtliche umliegende Seen und die Aussicht bis hin zum Monte Rosa.

Also... die Entscheidung war getroffen und Ligurien und das Mittelmeer mussten noch einen Tag auf uns warten. Wir wollten die Gunst des Wettergottes nutzen und den Monte Mottarone besteigen. Allerdings nicht komplett zu Fuss! Wir wollten heute ein wenig faul sein und den Mottarone bis kurz vor dem Gipfel hinauffahren und nur den Rest bis zum Gipfel laufen. Gesagt, ... getan!

Erich uns seine Frau waren schon lange mit ihren Fahrrädern losgedüst als wir uns endlich aufmachten und mit unserem Auto auf die SR229 in Richtung Pettenasco einbogen. In Pettenasco bogen wir in Richtung Armeno ab. In Armeno verirrten wir uns unglaublich in dem Gewirr von kleinen Einbahnstrassen bis wir endlich die Straße in Richtung Cheggino fanden. In Cheggino gibt es nur eine Straße, die den Monte Mottarone hinaufführt: Via Mottarone. Wir schlängelten uns gemächlich die Serpentinen hinauf. Unterwegs überholten wir viele total verrückte Fahrradfahrer, die sich mit ihren Rennrädern den Mottarone hinauf quälten. Darunter auch Erich und seine Frau. Wenn ich "verrückt" sage, meine ich an dieser Stelle auch verrückt, da die Steigung wirklich teilweise so dermaßen steil war, dass wir fürchteten der Motor könnte uns verrecken. Irgendwann kamen wir in den winzigen Ort Madonna di Luciago.

Dieser Ort war wirklich winzig! Trotzdem gab es hier nur (!) Einbahnstraßen und wir verirrten uns wieder. Dazu kam, dass alle (!) größeren befahrbaren Straßen den Namen "Via Mottarone" trugen, obwohl die meisten davon in einer Sackgasse endeten. SilberdiestelEs erklärt sich von selbst, dass wir eine Weile und besonders den Rückwärtsgang des Öfteren brauchten, um die richtige Via Mottarone zum Gipfel zu finden.

Wir parkten etwa in 1300m Höhe auf einem kleinen Sandparkplatz und liefen die letzen 191 Höhenmeter zu Fuss. Auch schon von diesem kleinen Parkplatz aus, hat man einen wunderbaren Blick auf die Auen, Wiesen und den Monte Rosa. GlockenblumenWir wanderten die Straße entlang immer bergauf. Am Straßenrand blühten kleine blaue Glockenblumen, Silberdiesteln und die eine oder andere kleine Eidechse krabbelte uns über den Weg. Die Sonne strahlte vom azurblauen Himmel und schon bald wurde uns trotz des Windes erheblich warm.

Bald kamen wir an die Bergstation der Seilbahn auf 1385 m Höhe. Von hier aus waren es etwa noch 20 Minuten steiler Aufstieg bis zum mit Antennen gespickten Gipfel des Mottarone. Die letzen 20 Meter zum Gipfel des Mottarone, PiemontIn Höhe der Bergstation gibt es einige Souveniershops, ein Café und so meine ich ein Hotel... Der Berg wird touristisch sehr stark genutzt. Wanderer, Gleitschirmflieger, Kletterfreaks und Mountenbiker finden im Sommer sowie die Skifahrer im Winter hier ihre wahre Freude.

Oben angekommen, wimmelte es von anderen Touristen, die hier die fantastische Aussicht genossen. Eigentlich schade, denn man will so eine Aussicht ja allein genießen... aber sobald man sich ein bißchen Abseits hält, verstummt das Gemurmel und Gerede der anderen und kann umgeben von einer wunderbaren Stille die Natur genießen. Blick auf den Lago Maggiore - Monte Mottarone, PiemontNur mit dem Pfeifen des Windes in den Ohren blickten wir auf die umliegenden Seen, die in der strahlenden Sonne glitzerten.

Erich und seine Frau hatten nicht zu viel versprochen. Die Luft war so klar, dass wir unglaublich weit sehen konnten. Blick auf den Monte Rosa - Monte Mottarone - PiemontZu unseren Füssen lag der Lago Maggiore, im Rücken hatten wir den Monte Rosa, zu unserer Linken den Monte Leone und schräg rechts hinter uns den Lago d'Orta. Wir hätten ewig dort sitzen können, denn an dieser Aussicht kann man sich einfach nicht sattsehen. Besonders der Monte Rosa mit seinen strahlend weißen Gipfeln verschlug mir den Atem und machte es mir schwer den Blick abzuwenden.

Wir aber wollten den Mottarone noch ein bißchen erkunden. Ca. 50 Höhenmeter unter dem Gipfel erstreckt sich eine langestreckte Bergnase, die meinen Entdeckernerv reizte. Bergab zur Bergstation - Monte Mottarone, PiemontSo begannen wir den Abstieg. Jo voran und ich immer hinterher. An der Bergstation machten wir in einem Souveniershop halt und kauften die eine oder andere Karte. Hier gibt es wirklich schöne Souveniers zu kaufen, vieles in Handarbeit aus Holz gefertigt. Natürlich sind die Preise entsprechend.

Auf die Bergnase kommt man bequem, wenn man ein Stück Straße wieder in Richtung Parkplatz zurückläuft und dann einfach nach rechts abbiegt. Abstieg auf die Bergnase - Monte Mottarone, PiemontEs gibt sogar einen Trampelpfad, den die vielen Ziegen und Schafe, die hier grasen, in den Boden gestampft haben.

Schon bald bemerkten wir die Sonderbarkeit dieser Landschaft. Wie beeindruckend kann die individuelle Phantasie der Natur mit Formen und Farben spielen und so Einzigartiges hervorbringen. Mondlandschaft auf der Bergnase - Monte Mottarone, PiemontSo begegnete uns die Bergnase mit seltsamen runden Felsen in den lustigsten Formen und einer absolut glatten Oberfläche, teilweise durch Bäume in zwei Teile gesprengt, teilweise im Ganzen. Auf dem größten dieser runden Felsen waren seltsame Einbuchtungen, die die Oberfläche zu einer kleinen Mondlandschaft machten. Die Birken hatten merkwürdige Auswüchse, die genialerweise so angeordnet waren, dass sie den jeweiligen Barbusiger Baum - Monte Mottarone, PiemontBaum zu einer barbusigen Diva machten. Hier und da wuchs Heidekraut in wahren Feldern und den verschiedensten Violettönen und die kleineren Steine waren überwuchert mit strahlend gelbgrünen Mosen und Pilzen. Irgendwie wirkte die Natur an diesem Ort einfach anders. Jo auf der Bergnase - Monte Mottarone, PiemontAuch die kleinen Eidechsen, die hier zwischen den Steinen entlangflitzten, sahen eher wie die Miniaturausgaben von Krokodilen aus.

Wir kraxelten einige Zeit auf dieser Bergnase herum und versuchten sogar einen Abstieg über diese Seite des Berges zu unserem Auto hin zu finden, um nicht die gleiche Strecke zurück laufen zu müssen. Kletterfelsen - Monte Mottarone, PiemontLeider hatten wir keine andere Wahl. Ein Abstieg war hier nicht möglich, aber wir enteckten dafür einige Kletterfelsen, die auch durch umstehende Schilder markierte festgelegte Routen vorweisen konnten. Welchen Schwierigkeitsgrad diese Kletterrouten hatten, können wir nicht beurteilen. Es gab jedoch kurze in den Fels verankterte Ketten, an denen man sich einklinken und sichern konnte.

Nun mussten wir jedoch wirklich den Rückweg antreten. Wir hatten beschlossen dem Ort Coiromonte einen Besuch abzustatten. Jo's Schwester war vor über 15 Jahren nach Italien ausgewandert und lebt nun in diesem kleinen mittelalterlichen Ort in einer Art Kommune. Diese Kommune betreibt ein kleines 1-Sterne-Hotel, dass bei Wanderern und Motorradfahrern sehr beliebt ist. Liebevoll benannte die Kommune den Ort in Mirapuri um. Einmal im Jahr findet hier das gut besuchte Spirit of Woodstock Festival statt.

Jo und ich machten uns also auf den Weg und bemerkten im Auto erst, dass wir beide uns von der Sonne einen ziemlichen Sonnenbrand zugezogen hatten. Au, dass tat weh...

In Coiromonte angekommen, parkten wir vor dem Omnidiet Resort und wanderten erstmal ein wenig durch diesen kleinen Ort, die engen Gäßchen und wunderten uns... es war keine Menschenseele zu sehen. Jo mit seiner Schwester in Coiromonte - PiemontNur ein paar große Ziegen meckerten uns am Anfang der Straße an. Ansonsten war hier niemand! Ob es im Mittelalter hier auch so menschenleer war? Nach 15 Minuten entschlossen wir uns in dem Hotel nach Jo's Schwester zu fragen und hatten Glück. Sie war tatsächlich da und begrüßte uns herzlich...

Erst spät am Abend machten wir uns auf zu unserem Campingplatz... Am nächsten morgen sollte es nun endgültig in Richtung Küste gehen. So wunderschön der Tag auch war, wir wollten nun endlich zum Meer! Wir wollten Sonnenuntergänge über dem Meer und vor allen Dingen in der Sonne und am Strand liegen. Es wurde nun also noch gepackt und alles abreisefertig gemacht, wir bezahlten die Campingplatzgebühr und vielen schon bald auf unsere Matratzen...

Auch wenn wir uns an diesem Tag mal nicht die Füße plattgelatscht hatten, hatte uns die viele frische Bergluft in der Tat geschafft und ließ uns tief und fest bis zum nächsten morgen schlummern....

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