Als wir an diesem Morgen aufwachten, tat uns wirklich alles weh. Wir kamen nicht aus dem Bett, obwohl auch diesesmal "Barcelona's Wecker" uns unsanft aus den Federn riß. Nach dem dritten Café waren wir dann soweit, um uns unter die Dusche zu bewegen. Aber was wollten wir an diesem Tag mit uns anfangen? "Laufen", "Gehen", "die Füße benutzen" ging beim besten Willen nur im beschränkten Maße. Es musste etwas Entspannteres her, zumal Barcelona uns an diesem Tag unerträglich laut vorkam.
Ein lieber Kollege hatte mir vor unserer Reise erzählt, dass es sich lohnen würde einen Ausflug in das ca. 30 km entfernte Sitges zu unternehmen. Sitges sollte etwas ganz besonderes sein, ein Ort an dem was los ist, an dem es sich leben läßt mit unzähligen kleinen Bars, Cafés und viel viel Strand. Das Timmendorf von Barcelona sozusagen, allerdings ziemlich gay. Da gay oder nicht gay für uns irgendwie kein Thema war, entschlossen wir aus Barcelona heraus zu fahren und dem besagten Sitges einen Besuch abzustatten.
Der gute Michael-Müller-Reiseführer gab uns ersten Aufschluss darüber, welche Verbindungen es nach Sitges gab, allerdings nicht ausreichend. So wanderten wir erstmal zur Touristeninformation, die sich am Placa Catalunya in der Eingangshalle der Untergrundbahn befand. Hier erfuhren wir, das es Bus-Rundfahrten in die umliegenden Orte von Barcelona gab. Noch besser! Als wir dann am Ticketschalter für Bus-Rundfahrten (Placa Catalunya vor dem El Triangle) ankamen, stellten wir mit Erschrecken fest, dass beide Touren 66 Euro kosten sollten! Wow - welch ein Touri-Ripping!
Aber unser schlauer Reiseführer sagte, dass es auch Züge gab, die von der Bahnstation am Passeig de Gràcia in Richtung Sitges abfuhren. Also ging es zum Passeig de Gràcia. Als wir dann im Bahnhof vor den Ticketautomaten standen, entdeckten wir, dass ein Einzelticket für eine Fahrt nur 2,60 Euro kosten sollte! Dieser verdammt niedrige Fahrpreis verwirrte uns; konnte das wahr sein? Warscheinlich sahen wir so dermaßen ratlos aus, dass eine Frau von der Guardia auf uns zu kam und fragte, wohin wir wollten. Als ich dann Sitges erwähnte, drückte sie uns zwei Freifahrt-Tickets für eine Strecke in die Hand. Unglaublich - aber war! Es ging also heute für 0,00 Euro nach Sitges. Besser geht nicht...
Als wir dann endlich den Bahnsteig für unseren Zug gefunden hatten, kam auch bald dieser laute schnaufende und quitschende Doppeldeckerzug und wir stiegen ein. Im oberen Bereich ergatterten wir dann zwei Plätze zwischen laut schnattertenden Spanierinnen. Die Zugfahrt dauerte ca. 35 Minuten. Bald fuhren wir der Küste entgegen und dann immer daran entlang. Dann erreichten wir Sitges und stiegen in dem kleinen Bahnhof aus.
Wir wurden empfangen mit unerträglichem ohrenbetäubendem Baustellenlärm! Das war jetzt nicht, was wir erwartet hatten.
Aber als wir die ersten Schritte vom Bahnhof weg in das kleine Städtchen hinein wagten, wurde es schnell leiser. Sehr leise! Wirklich leise! Wir hatten nicht bedacht, dass wir mitten in der Siesta in Sitges ankommen würden und so waren alle Geschäfte zu und fast niemand auf der Straße. Nun gut, macht nichts... wir wollten ja eh erstmal an den Strand, ein bißchen Sonne genießen und auspannen.
Es ging also im ZickZack durch die kleinen engen Gassen von
Sitges und entdeckten dabei das eine oder andere hübsche Haus. Endlich kamen wir zum Wasser. Und hier erwartete uns Sonne, Mittelmeer und die, über der Strandpromenade trohnende, alte Kirche.
Wir gingen die Treppe am Meer herunter, ließen uns auf der langen Steinmauer nieder und machten erstmal Picknick.
Irgendwann entschlossen wir uns die lange Strandpromenade entlang zu laufen, an der sich eine Villa an die andere schmiegt. Sitges ist wohlhabend. Das konnte man durchaus sehen. Aber auch die alten, schon aus Barcelona bekannten hübschen "Tapetenhäuser", mit ihren bunten Fassaden gab es hier zu sehen.
Viele davon sind gut gepflegt, saniert und beherbergen viele kleine Fischrestaurants und Boutiquen. Leider zog sich der Himmel irgendwann zu und es wurde kalt und windig.
Nachdem wir die Strandpromenade einmal hoch und runter gelaufen waren, verzogen wir uns in ein Strandrestaurant und bestellten uns einen Café. Der Kellner, der wohl auch der Besitzer war, war zuerst ein wenig knitterich, aber nachdem ich mir ein paar gebrochen Worte spanisch herausgequetscht hatte, taute er auf und brachte sogar mal ein Lächeln zustande.
An diesem Punkt entschieden wir, wieder zu fahren. Uns war wirklich kalt und in Sitges nichts los, was auch nicht an der Siesta lag, die schon lange vorbei war. Sitges ist wirklich schön und es lohnt sich bestimmt hier Urlaub zu machen und sich hier treiben zu lassen. Wir waren aber in der Vorsaison da und so erwachte Sitges wohl erst aus dem Winterschlaf.
Also ging es auf den Weg zum kleinen Bahnhof, wo uns die Dame am Ticketschalter wieder (!) zwei Freifahrt-Bahntickets in die Hand drückte. Barcelona - Sitges - hin und zurück - für sage und schreibe 0,00 Euro!
Auf der Rückfahrt hatten wir noch eine sonderbare, aber wirklich lustige Begegnung der dritten Art mit Franco aus Bogotá. Franco saß uns im Zug gegenüber (diesesmal hatten wir Plätze zwischen schnatternden Japanerinnen erwischt) und grinste uns an. Nachdem wir unbeholfen ein bißchen zurückgegrinst hatten, fing Franco an, uns auf spanisch vollzuquatschen. Irgendwann bekam er mit, dass wir Deutsche waren und kaum spanisch verstanden. Aber das störte ihn überhaupt nicht! Er quatschte weiter und zwar auf spanisch, portugisisch, französisch, englisch und sogar ganz wenig deutsch. Ich weiß nicht warum, denn es ist ja eigentlich nicht die Art von steifen Nord-Deutschen, aber wir stimmten in sein Gequatsche ein und schon war eine lustige vielsprachige Unterhaltung im Gange. Wir erfuhren, dass er aus Bogotá kam und schon seit ein paar Jahren in Spanien lebt, da es in Bogotá keine Arbeit gibt und Gewalt und Kriminalität die Oberhand hat. Wir erzählten ihm, dass wir in Barcelona Urlaub machten und aus Hamburg kommen. Wie lange wir geflogen sind, interessierte ihn besonders. Tja... irgendwann stiegen wir dann zusammen aus und es gab nur noch ein kurzes Au revoir und weg war Franco, als ob es ihn nie gegeben hätte. Selbst noch heute bringt mich die Begegnung mit Franco zum schmunzeln. Wie leicht muss das Leben sein, wenn man mit soviel Unbedarftheit auf andere zu geht?
Unser Tag war hier allerdings nicht vorbei. Auf der Zufahrt zurück von Sitges fiel uns wieder der eiserne gaudische Drache ein, den wir ja immernoch nicht gefunden hatten. Es wurde also im Reiseführer wie wild geblättert und zur allgemeinen Überaschung stellten wir fest, dass dieser nicht im Park Güell sein sollte, sondern im Parc del Palau de Pedralbes an der Eingangspforte zu Gaudìs Pavellons Güell. Warum hatte ich das am Vortag nicht gelesen?
Wir stiegen also nicht am Passeig de Gràcia aus, sondern bereits Placa de Sants, stiegen dann um und fuhren zur Haltestelle Palau Reial.
Hier endet dann auch dieser Reisebericht. Die Suche nach dem eisernen Drachen findet ihr im Reisebericht für den zweiten Teil dieses Tages...